Personengebundene Risikofaktoren in der Soziogenese der Überschuldung privater Haushalte
Personen Frank Schulz-Nieswandt, Detlef Buschfeld, Michael Wagner
Projektbeschreibung Die Überschuldung privater Haushalte ist ein anhaltend bedeutsames sozialpolitisches Problem in der modernen Gesellschaft. Analysen zu diesem Problem haben nun durch eine Expertise von Korzcak (2004) Eingang gefunden in den zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (BMGS, 2005). Auch der neue Schuldenkompass der Schufa gibt Aufschluss (Schufa Holding 2005). Was wissen wir über die Entstehungsprozesse dieser Lebenssituation? Was sind sozial typische biographische Pfade in die Überschuldung? Können hier spezifische soziale wie personengebundene Risikofaktoren, die die Eintrittswahrscheinlichkeit der Überschuldung bestimmen, ausgemacht werden? Gibt es womöglich generationenübergreifende familienbiographische Prozesse der kulturellen Risikoweitergabe (vgl. insgesamt zu dieser Problemsicht Schulz-Nieswandt & Kurscheid 2005)? Und welche präventionsorientierten Schlussfolgerungen wird man andenken können? Welche Interventionsformen will eine entsprechende lebenslagen- und lebenslauforientierte, ressourcenbezogene Sozialpolitik diskutieren?

Um geeignete Maßnahmen in der Schuldenprävention durch verantwortliche Träger einleiten zu können, bedarf es valide Informationen, die über allgemeine präventive Maßnahmen hinaus nachhaltig wirksam sind.

Diese notwendigen persönlichkeitsbezogenen Informationen liegen bis dato jedoch nicht vor, zumal in bestehenden Forschungsarbeiten eher die Konzentration auf selbst verschuldete Notlagen als auf differenzierbare Sozialtypen gelegt wurde wie beispielsweise den "redlichen Schuldner". Von daher wurde hierzu ein in Vorbereitung befindlicher Projektantrag an die DFG gestellt.

Zwischenzeitlich wird mit einem Projekt, welches durch die Schufa Holding AG gefördert wird, ein weiterer marginal erforschter Bereich, der des Kreditvermittlungsbetrugs betrachtet. Bei der Untersuchung einer Opfer-Täter Phänomenologie müssen präventive Maßnahmen beim Opfer ansetzen. Jedoch ist die Motivforschung sowie die Erforschung der Opferrolle und des Opferverhaltens längst nicht auf einem Stand angelangt, mit dem es möglich wird, nachhaltige Maßnahmen zu entwickeln, die präventive Verhaltensänderungen zur Folge haben können.

Diese Phänomene sollen sowohl aus wettbewerbs- als auch aus gesellschafts- und sozialpolitischen Aspekten mehrdimensional analysiert werden. Demnach erfolgt zunächst eine empirische Analyse der Marktaktivitäten von Informationsdienstleistern und anschließend eine ordnungspolitische Analyse.
  • Untersuchung von "schufafreien" Krediten unter Berücksichtigung der besonderen Lebenslagen der einzelnen Verbraucher.
  • Eine Untersuchung der Vorgehensweisen und Marktaktivitäten von anderen Informationsdienstleistern.
  • Eine ordnungspolitische Analyse des Geschäftsmodells Schufa unter besonderer Beachtung von Image- und Außenwirkung.

Finanzierung Zur Abfassung des Drittmittelantrages erhielt das Projekt eine Anschubfinanzierung aus den Mitteln des Zentrums für empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung. Die Finanzierung des Projekts erfolgt nun durch die Schufa Holding AG (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung).
Daten Die Datenerhebung erfolgt qualitativ (Interviews mit Betroffenen und Expertendiskussionen). Die Zielgruppen sind dabei Betroffene verschuldete Personen sowie Schuldnerberater aber auch kriminalpolizeiliche Sachbearbeiter und Mitarbeiter von Banken und Kreditinstituten. Die Medienauswertung erfolgt innerhalb aller Rubriken der Publikationspresse, überregionalen Tageszeitungen sowie dem Internet.
Methoden
  • Analyse der qualitativen Daten
  • Expertendiskussionen
  • Medienanalyse
Veröffentlichungen link