Demokratische Kriege: Ein Oxymoron? Die Transformation demokratischer Prozesse und Strukturen in Kriegszeiten
Personen Univ.-Prof. Dr. André Kaiser, PD Dr. Carlo Masala
Projektbeschreibung In der aktuellen Forschung über die "Antinomien des Demokratischen Friedens" (Müller 2002) wird zu erklären versucht, warum Demokratien zwar gegeneinander kaum Kriege führen, gegenüber nicht-demokratischen Staaten jedoch häufig aggressiv auftreten und sogar Kriege initiieren. Wie auch bei der Diskussion um die Erklärung des "Demokratischen Friedens" selbst, stehen sich hier mehrere Erklärungsansätze gegenüber, die allerdings alle unhinterfragt von der Annahme ausgehen, daß es sich in einem demokratischen Krieg bei einer der beiden Kriegsparteien um eine reife Verfassungsdemokratie handelt. Doch bereits der von Sartori für die Vergleichende Politikwissenschaft eingeforderte erste "look around" (1991:245) läßt berechtigte Zweifel an dieser Annahme aufkommen. Nicht erst seitdem sich die westliche Staatengemeinschaft im "war on terrorism" befindet, beschneiden demokratische Staaten, die sich im Krieg befinden, fundamentale Rechte ihrer Bürger (Patriot Act, Luftsicherheitsgesetz), die dem Ziel dienen sollen, den Krieg effizienter zu führen und das Heimatterritorium vor Überraschungsangriffen des Gegners zu schützen. Damit stellt sich die Frage, ob die Ausgangsannahme der Theorie des Demokratischen Krieges überhaupt gültig ist. Sollte sich die Eingangsvermutung bestätigen, daß Demokratien in Kriegszeiten ihren demokratischen Charakter verändern oder gar aufgeben (Agamben 2004), so hätte dies bedeutende Konsequenzen sowohl für die theoretische Formulierung als auch für empirische Tests im Forschungsprogram des " Demokratischen Krieges".

Um zu einer robusten Theorie des Demokratischen Krieges zu gelangen, scheint es von zentraler Bedeutung zu sein, die Demokratiequalität etablierter demokratischer Verfassungsstaaten - technisch gesprochen - zu endogenisieren. Eine Analyse benötigt somit einerseits Daten zum Kriegsgeschehen, seit es Demokratien gibt; zum anderen werden Daten über deren Demokratiequalität benötigt. Für das Kriegsgeschehen liegen bereits umfangreiche Daten¬sätze (COW 2005; Chojnacki 2005) vor, doch mangelt es insbesondere an Daten über die Qualität demokratischer Prozesse in kriegsführenden Demokratien. Somit werden im Rahmen dieses Projekts die verfügbaren Datensätze zum Kriegsgeschehen, an dem demokratische Staaten beteiligt waren, aktualisiert, sowie ein Datensatz generiert, der Aussagen über die Demokratiequalität kriegsführender demokratisch verfaßter Staaten enthält. In diesem Pilotprojekt wird dabei die umfangreiche, vorwiegend historische Literatur zu den an Konflikten beteiligten demokratisch verfaßten politischen Systemen ausgewertet, um zu eruieren, welche Indikatoren für eine derartige Analyse zur Verfügung stehen. Ziel ist es, ein Forschungsprojekt vorzubereiten, für das Drittmittel eingeworben werden sollen.
Finanzierung Zur Vorbereitung eines Drittmittelantrages erhält das Projekt eine Anschubfinanzierung aus Mitteln des Zentrums für Empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Daten
Methoden
  • Qualitative Analyse historischer Literatur
  • Vorbereitung eines Codebuchs