Parteistrategien auf oligopolistischen Issue-Märkten - Entwicklung der Parteiprogrammatik in West- und Osteuropa
Personen Univ.-Prof. Dr. André Kaiser, Dipl.-Volkswirt Simon Franzmann
Projektbeschreibung In der aktuellen Debatte über den Charakter des Parteienwettbewerbs stehen sich zwei Lager gegenüber. Auf der einen Seite steht die konfrontative Theorie, die in enger Anlehnung an Anthony Downs’ Konzeption der ökonomischen Theorie der Demokratie (1957) von einer eindeutig spezifizierbaren Dimensionalität des politischen Raumes aus¬geht. Auf der anderen Seite steht die Salienztheorie (Budge/Farlie 1983). Sie legt ihren Fokus stärker auf die Bestimmung von Kernthemen einer Partei und deren Präsentation im Wahlkampf. Beide Ansätze haben gemeinsam, daß sie sowohl für ihre theoretische Formulierung als auch ihren empirischen Test die Parteiprogrammatik analysieren müssen. Dazu liegt vom Comparative Manifestos Project (CMP) (Budge et al. 2001) ein umfangreicher Daten¬satz vor, in dem alle Wahlprogramme seit dem Zweiten Weltkrieg in den OECD-Staaten nach 56 Kategorien vercodet wurden. Darin sind jedoch einige Widersprüchlichkeiten enthalten, die in einer Re-Analyse durch die Bewilligungsempfänger behoben wurden (Franzmann/Kaiser 2006). Mit diesen re-analysierten Links-Rechts-Werten, die in der Scientific Community innerhalb kurzer Zeit auf ein außerordentlich reges Interesse gestoßen sind, wurde eine höhere externe Validität erzielt als mit den ursprünglichen CMP-Werten.

Für 2006 steht die Fortschreibung des CMP-Datensatzes an (Klingemann et al. 2006). Dieser Datensatz wird nicht nur die Parteiensysteme der OECD-Länder, sondern auch die der mittel- und osteuropäischen Transformationsstaaten umfassen. In diesem laufenden Projekt wird nun der aktualisierte CMP-Datensatz auf Basis der von Franzmann/Kaiser entwickelten Methode re-analysiert und um die mittelosteuropäischen Parteiensysteme ergänzt.

In einem nächsten Schritt werden dann in Anlehnung an die Salienztheorie Kernthemen und programmatische Heterogenität der Parteien eines jeden Landes bestimmt. Schließlich soll in einer Pilotstudie geklärt werden, wie Kernthemen und Heterogenität von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und in die Wahlkampfagenda einfließen. Ziel ist es letztlich, auf einer theoretisch und empirisch breiten Basis langfristig die Prognose von Wahlergebnissen zu verbessern.
Finanzierung Zur Vorbereitung eines Drittmittelantrages erhält das Projekt eine Anschubfinanzierung aus Mitteln des Zentrums für Empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Daten
  • Budge, Ian et al.(eds.) 2001: Mapping Policy Preferences. Estimates for Parties, Electors, and Governments 1945-1998, Oxford: Oxford University Press.
  • Franzmann, Simon/Kaiser, André 2006: Locating Political Parties in Policy Space. A Reanalysis of Party Manifesto Data, Party Politics 12: 163-188.
  • Klingemann, Hans-Dieter et. al (eds.) 2006: Mapping Policy Preferences II: Comparing 24 OECD and 24 CEE Countries, 1990-2003, Oxford: Oxford University Press
Methoden Quantitative Inhaltsanalyse
Veröffentlichungen link