READplus
Personen Daniel Schraad, MA und Thomas Traguth, MA, MES
Projektbeschreibung Im Zentrum von READplus steht die Erarbeitung und empirische Erprobung eines Integrationsindexes, mit dem sich in einer prozessorientierten Perspektive der jeweilige Integrationsgrad des EU-Mehrebenensystems differenziert erfassen und darstellen lässt.
Neben seiner Bedeutung für derzeit am Jean Monnet Lehrstuhl laufende und geplante Forschungsprojekte (NewGov, EU-Consent, DFG-Forschergruppe zur Konstitutionalisierung) ist ein solcher Index insbesondere für die Diskussion, Überprüfung und mögliche Fortentwicklung aktueller integrationsbezogener Theorieansätze relevant.
Gerade nach den negativen Referenden zum Verfassungsvertrag in Frankreich und den Niederlanden sowie den vergangenen und noch folgenden Erweiterungsrunden stellt sich die Frage, ob auch künftig von einem steigenden Grad der Verfasstheit und Integriertheit des EU-Mehrebenensystem ausgegangen werden kann, oder ob nicht auch Formen der De-Integration und spill-back-Entwicklungen denkbar sind. Mit der Erarbeitung eines Integrationsindexes, der in der Lage ist, Veränderungen des Integrationsgrades des EU-Mehrebenensystems im Zeitverlauf zu erfassen und dabei auch die verschiedenen Mischformen bzw. „Grade der Hybridität“ des EU-Systems im Spannungsfeld von supranationalen und intergouvernementalen Formen des Regierens zu identifizieren, soll hier ein wichtiger und innovativer Forschungsbeitrag geleistet werden. Zunächst ist der Integrationsindex für die so genannte „legal constitution“ geplant, indem mit Blick auf die schriftlichen Vertragsvorgaben eine quantifizierende Verkoppelung der beiden Dimensionen der vertikalen Kompetenzverteilung auf der einen Seite sowie der horizontalen Beteiligungs- bzw. Verfahrensregeln der EU-Institutionen auf der anderen Seite vorgenommen wird. In einer längerfristigen Perspektive soll der Index zudem auf die Erfassung der „living constitution“ (Vertragspraxis) ausgeweitet werden.