Working Poor in Western Europe
Personen Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß, Henning Lohmann, Marco Gießelmann
Projektbeschreibung Im Zuge der wohlfahrtsstaatlichen Reformen der letzten Jahre ist Armut von Erwerbstätigen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern ein zunehmend breit diskutiertes Thema geworden. Im Ländervergleich sind allerdings auch deutliche Unterschiede im Ausmaß von Armut von Erwerbstätigen festzustellen. Die Frage nach den Ursachen für diese Unterschiede ist der Ausgangspunkt für das Projekt "Working Poor in Western Europe". Grundsätzlich wird argumentiert, dass die Unterschiede im Ausmaß und der Struktur von Armut von Erwerbstätigen eine Folge der unterschiedlichen Ausgestaltung institutioneller Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern sind (soziales Sicherungssystem, Lohnverhandlungssystem, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie). An die Frage nach dem Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen schließt sich eine weitere Frage direkt an, und zwar: Welche Auswirkungen haben Veränderungen in den institutionellen Rahmenbedingungen? Oder anders formuliert: Welche Konsequenzen haben die gegenwärtigen Reformen im Bereich der sozialen Sicherungssysteme und Arbeitsmarktinstitutionen auf die Entwicklung von Armut von Erwerbstätigen? Eine allgemeine Hypothese ist, dass die gegenwärtigen Veränderungen eine Verschiebung von nichterwerbstätigen zu armen Erwerbstätigen bewirken, die als trade-off zwischen Armut und Beschäftigung interpretiert werden kann.

Die Beantwortung der Fragen des Projekts beruht auf einem breiten Ländervergleich. Dabei wird eine quantitativ ländervergleichende mit einer eher fallvergleichenden Perspektive kombiniert. Für den quantitativen Ländervergleich werden harmonisierte Massendatensätze genutzt (Europäisches Haushaltspanel - ECHP, EU-Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen - SILC), die den Zeitraum seit 1994 abdecken. Diese Analysen werden durch eine Reihe von Länderstudien ergänzt. Im Rahmen des Projekts wurde ein Netzwerk von Wissenschaftlern aus acht europäischen Ländern aufgebaut, die jeweils für ihr eigenes Land eine Fallstudie erarbeitet haben. Die Auswahl der Länder orientierte sich an dem Ziel, Vertreter unterschiedlicher Wohlfahrtsregimes zu vergleichen. Berücksichtigt wurden folgende Länder: Irland, Großbritannien, Schweden, Finnland, Niederlande, Belgien, Deutschland, Italien. Während im Rahmen der Analysen auf Basis harmonisierter Massendatensätze der Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen vor allem über standardisierte Makroindikatoren erfolgt (z.B. Lohnersatzraten, Ausgabenindikatoren), ermöglichen die Länderstudien eine tiefergehende Beschreibung des jeweiligen Länderkontexts. Zudem ist in einigen Fällen eine Ausweitung des Analysezeitraums möglich.

Die bislang vorliegenden Ergebnisse des Projekts deuten nicht auf einen länderübergreifenden Trend in Richtung von Armut von Erwerbstätigen. Gerade im Vergleich zu den jüngsten Entwicklungen in Deutschland mag dies als überraschendes Ergebnis gelten. Dies heißt jedoch nicht, dass es keine Entwicklung in Richtung Armut von Erwerbstätigen gibt. Die Entwicklungen verlaufen auf europäischer Ebene jedoch nicht einheitlich in eine Richtung. Neben Ländern, in denen im Laufe des Beobachtungszeitraums Armut von Erwerbstätigen zugenommen hat, gibt es auch Länder mit gegenläufigen Entwicklungen. Während Unterschiede im Niveau von Armut von Erwerbstätigen sich gut auf die unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen zurückführen lassen, ist ein Zusammenhang zwischen Veränderungen der Rahmenbedingungen und dem Auftreten von Armut von Erwerbstätigen weitaus schwieriger nachzuweisen.
Finanzierung Gefördert aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Daten SOEP, ECHP, div. Europäische Haushaltspanel
Methoden Deskriptive Verfahren, Multivariate Regressions-Analysen
Veröffentlichungen link
Ansprechpartner Marco Gießelmann
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