Einfluss des Alters und des sozialen Netzwerks von Menschen mit Behinderung auf die Inanspruchnahme stationärer und ambulanter Angebote der Behindertenhilfe
Personen Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Dipl.-Ges.-Ök. Saskia Wölbert (Seminar für Sozialpolitik, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät) in Kooperation mit Prof. Dr. Holger Pfaff und Dipl. Soz.-Wiss. Elke Driller (Zentrum für Versorgungsforschung, Medizinische Fakultät)
Projektbeschreibung Derzeit wird in den Einrichtungen der Behindertenhilfe eine Veränderung der Bewohnerstruktur wahrgenommen: Menschen mit Behinderungen altern aufgrund verbesserter medizinischer Versorgung, umfassender pädagogischer und lebenslang begleitender Angebote weit über das Renteneintrittsalter hinaus. Europäische Nachbarländer - wie die Niederlanden - weisen bereits heute eine deutlich ältere Bewohnerstruktur in den Einrichtungen auf (ein Drittel aller Bewohner sind 60 Jahre und älter), so dass eine weitere Angleichung und Normalisierung der Lebenserwartung von Menschen mit, ohne oder spät erworbener Behinderung weiter zu erwarten ist.
Um Angebote der Behindertenhilfe rechtzeitig an die veränderte Soziodemographie der von Behinderung Betroffenen anpassen zu können, benötigen jedoch die zuständigen Sozialunternehmer dringend valide und repräsentative Daten über diesen Personenkreis, um Umstrukturierungen und (alters-) spezifische Anpassungen der Angebotsstruktur im Wohn- und Beschäftigungsbereich vornehmen zu können.
Diese notwendigen Daten liegen jedoch für Deutschland derzeit nicht vor. Die Datenlage bleibt trotz erster guter Ansätze Anfang der 1990er Jahre (MUGSLA-Studie) mangel- und lückenhaft. Während die demographische Entwicklung der Gesamtbevölkerung derzeit ein vieldiskutiertes Thema darstellt, existieren über die Lebenslagen - vor allem alt gewordener - behinderter Menschen bisher kaum empirische Studien in ausreichend großer Zahl. Existierende empirische Erhebungen wie die amtliche Schwerbehindertenstatistik sowie die jährlich durchgeführte Erhebung des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) erfassen einzelne Merkmale sehr unscharf und lassen Aussagen über in Einrichtungen der Behindertenhilfe lebende Menschen nicht zu.
Diese bestehende Datenlücke beabsichtigt diese Studie zu schließen. Dabei wird vor allem der Sicht der Betroffenen selbst Rechnung getragen. Menschen mit Behinderung kommen - neben den jeweiligen Angehörigen und betreffenden Einrichtungsleitern - selbst zu Wort.

Mit der quantitativen als auch qualitativen Datenerhebung sowie den wissenschaftlichen Gutachten werden vor allem folgende Ziele verfolgt:
  • Allgemeine Verbesserung der Datenlage
  • Darstellung des Einflusses des Alters und des sozialen Netzwerks auf die Inanspruchnahme von Angeboten der Behindertenhilfe
  • Datenbasierte Ableitung sozialer Konsequenzen

Finanzierung Zur Abfassung eines Drittmittelantrages erhielt das Projekt eine Anschubfinanzierung aus Mitteln des Zentrums für Empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Die Finanzierung des Drittmittelprojekts erfolgt nun durch den Brüsseler Kreis, einem Zusammenschluss elf christlicher Sozialunternehmen.
Daten Die Datenerhebung erfolgt quantitativ (Fragebögen) und qualitativ (Interviews und Fokusgruppendiskussionen) innerhalb ausgewählter Einrichtungen des Brüsseler Kreis. Zielgruppen der Befragung sind die Menschen mit Behinderung, deren Angehörigen und die Einrichtungsleiter.
Methoden
  • Analyse der erhobenen quantitativen und qualitativen Daten
  • Zusätzlich Erstellung wissenschaftlicher Gutachten (Expertisen) zu ausgewählten Themenfeldern
Veröffentlichungen Projektskizze