Föderalismus, Dezentralisierung und Performanz
Personen Prof. Dr. André Kaiser, Diplom-Verwaltungswissenschaftler Niels Ehlert
Projektbeschreibung In der jüngeren wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Literatur ist nicht genügend zur Kenntnis genommen worden, dass politische Systeme hinsichtlich der territorialen Herrschaftsorganisation auf zwei Dimensionen variieren können. Föderale Systeme zeichnen sich nach der Definition von William Riker (1975) in erster Linie durch eine verfassungsrechtlich garantierte Kompetenzenteilung zwischen Zentralstaat und Gliedstaaten aus. Dabei geht es stets um die Etablierung von Institutionen der territorialen Gewaltenteilung. Unter Zentralisierung versteht man das Ausmaß, in dem die Implementation politischer Programme von der Zentralregierung gelenkt wird. Dezentralisierung meint entsprechend den Grad, in dem die Implementation von anderen politischen Institutionen gesteuert wird. Die Zuständigkeit kann entweder funktional oder geographisch organisiert sein. Hieraus ergeben sich die Forschungsfragen des Projektes:
  1. Wie verhalten sich Nationalstaaten bezüglich der Unitarismus-Föderalismus-Dimension und der Zentralisierungs-Dezentralisierungs-Dimension? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen den beiden Dimensionen?
  2. Welchen Unterschied bezüglich der Staatstätigkeit machen die beiden Dimensionen? Wie wirken sie sich auf die Performanz des politischen Systems aus?
Das Projekt geht von den beiden folgenden, dem Großteil der föderalismustheoretischen Literatur vollständig widersprechenden Arbeitshypothesen aus: Nicht Föderalismus, sondern Dezentralisierung bringt entscheidende Performanzvorteile (H 1). Dezentralisierte Politikimplementation ist dabei in einem unitarischen Rahmen tendenziell leistungsfähiger als unter der Bedingung territorialer Gewaltenteilung (H 2).

Während die Thesen generell die Vorteile von Föderalismus und Dezentralisierung gegenüber zentralistischer politischer Steuerung hervorheben, kann nicht theoretisch vorentschieden werden, welche der beiden oben genannten Dimensionen eigentlich für die behaupteten Performanzvorteile verantwortlich sein soll. Im Projekt soll daher auch ein breites Spektrum an Kennziffern zur Messung des Erfolgs politischer Programme erhoben werden. Die statistische Analyse kann uns im besten Fall gute Anhaltspunkte darüber liefern, welche institutionellen Arrangements mit hoher Wahrscheinlichkeit zu guter und schlechter Performanz führen, die dafür verantwortlichen kausalen Mechanismen können damit aber allein nicht identifiziert werden. Dafür ist erstens eine tragfähige theoretische Herleitung und zweitens eine empirische Prüfung in detaillierten Fallstudien erforderlich. Das Forschungsprojekt soll deshalb entsprechend dem "nested approach" (Lieberman, 2002) statistische Analyse und detaillierte Fallstudien verbinden.
Finanzierung Zur Abfassung eines Drittmittelantrages erhält das Projekt eine Anschubfinanzierung aus Mitteln des Zentrums für Empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Daten Datenbank von Indikatoren politischer Performanz für die Länder der OECD
Methoden
  • Ländervergleichende Fallstudien
  • Regressionsanalyse
Veröffentlichungen link