Recherche und Analysen von Daten zur EU - READ
Personen Prof. Dr. Wolfgang Th. Wessels
Projektbeschreibung Die forschungsbegründende Basisannahme der Arbeiten im Rahmen von "READ" lautet: Die Europäische Union (EU) und ihre Politik werden zunehmend zu einem Gravitationszentrum für Forschung und Lehre - dies gilt in steigendem Maße auch für die empirische Wirtschafts- und Sozialforschung. Ausgangspunkt ist die Beobachtung erheblicher quantitativer und qualitativer Wachstums- und Differenzierungstrends im europäischen Kontext - insbesondere im Hinblick auf das europäische Regieren (Governance) in verschiedenen Politikfeldern wie z.B. in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, in der Wirtschafts- und Währungsunion sowie in der Justiz- und Innenpolitik.
Für eine systematische Erfassung und Erklärung der konstitutionellen Entwicklungen über die letzten fünfzig Jahre, in denen verbindliche Entscheidungen aus "Brüssel" an Regelungstiefe und -breite sowie Formenvielfalt zugenommen haben, ist eine umfangreiche Datenerhebung und Auswertung notwendig, die bestehende Ansätze aufgreift, vertieft und ergänzt.
Die EU-Organe selbst bieten mittlerweile eine unübersichtliche Fülle an Datensätzen zu Rechtsakten und Verfahren an, die für wissenschaftliche Zwecke nutzbar gemacht werden können. Dies erfordert jedoch aufgrund der zu konstatierenden Vielfalt der Quellen einen beträchtlichen methodischen Aufwand. Um einer immer wieder anzutreffenden Doppelung empirischer Forschungstätigkeit vorzubeugen und die Ergebnisse eigener Arbeiten einem ausgesuchten Kreis interessierter Forscher zugänglich zu machen, besteht ein erheblicher Strukturierungs- und Aufbereitungsbedarf. Ein umfassender am Zentrum für Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung angesiedelter "Datenpool’ soll daher maßgeblich zur Erleichterung interdisziplinärer Forschung und Lehre beitragen: Er wird eine sorgfältige Aufbereitung und Analyse der vergangenen und aktuellen Vertragsentwicklungen in drei Schritten
  1. der Vertragsentwicklung ("gewollten" Verfassung),
  2. des Vertragstextes ("geschriebenen" Verfassung) und
  3. der Vertragspraxis ("gelebten" Verfassung)
rückblickend und zukunftsfähig möglich machen.
Dabei werden die folgenden drei Ziele verfolgt:
  1. Nutzbarmachung der gewonnen Ergebnisse für Projekte der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
  2. Bereitstellung der Daten für Wissenschaftler des ZEWS und für Magister-, Diplom und Promotionsstudenten
  3. Sorgfältige inhaltliche Verknüpfung der gewonnen Daten zur Überprüfung und Weiterentwicklung theoretischer Ansätze


Arbeitsschwerpunkte von "READ"

Finanzierung Zur unterstützenden Forschungsarbeit für die erfolgreiche Einwerbung des SFB´s erhält das Projekt eine Anschubfinanzierung aus Mitteln des Zentrums für Empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung.
Daten CODE - Cologne Database on the European Union (passwortgeschützt)

Zu a): Daten aus denen Erkenntnisse über den Entstehungsprozess europäischen Vertragsrechts gewonnen werden können - also über Prozesse der "gewollten" Verfassung auf europäischer Ebene (Dokumente des Europäischen Konvents; der Regierungskonferenzen; nationale und europäische Dokumente und Debatten etwa zur Finanzordnung, zur (Berufs-)Bildungspolitik, zur Umweltpolitik und zur Beschäftigungspolitik).

Zu b): Daten zur "geschriebenen" Verfassung sind vor allem primärrechtliche Dokumente, wie Vertragstexte und sonstige Vereinbarungen mit einem vergleichbaren Rechtsstatus, die nicht nur Aufschluss über die quantitative Entwicklung der Verfahrensprofile sondern auch über die qualitative Veränderung im Bereich der Zuständigkeiten geben können.

Zu c): Eine detaillierte normative und empirische Erläuterung der "gelebten" Verfassung, d.h. aller Aspekte des europäischen Regierens über die Jahre, muss nicht nur die politikwissenschaftliche sondern auch die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Analyse des Outputs an Rechtsakten in jedem Politikfeld einschließen. Hierzu sind Daten zu Entscheidungen des Rats, Abstimmungsverhalten der einzelnen Mitgliedstaaten im Rat, Anwendung des Mitentscheidungsverfahrens, Partizipation des Europäischen Parlaments, Entscheidungsproduktivität der EU-Organe und Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes zunächst quantitativ zu erfassen und dann auszuwerten und aufzubereiten.
Methoden Zu a): Inhaltsanalyse mit Programmen zur qualitativen Datenanalyse (Max qda).

Zu b): Inhaltsanalyse mit Programmen zur qualitativen Datenanalyse (Max qda). Die so gewonnen Daten können dann mithilfe von Tabellen- und Statistikverarbeitungsprogrammen wie Microsoft-Excel oder SPSS verarbeitet und graphisch dargestellt werden. Sie dienen damit als Grundlage für weitere Einschätzungen und Berechnungen.

Zu c): Datenbanken zur Vertragsnutzung, wie z.B. EurLex, liefern die notwendigen Informationen. Auch die Daten zum Sekundärrecht der EU werden quantitativ mit Mircrosoft-Excel oder SPSS aufbereitet und je nach wissenschaftlichem Bedarf in Graphiken, Tabellen oder Schaubildern dargestellt.